Home Region Schweiz/Ausland Sport Rubriken Magazin Agenda
Kanton
01.12.2021

Bührle-Sammlung soll der Stadt geschenkt werden

Die Sammlung Bührle, deren Werke im Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich zu sehen sind, sind im Besitz der Bührle-Stiftung. Die AL will das ändern. (Archivbild) Bild: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER
Einen «Befreiungsschlag» nennt die Alternativen Liste (AL) der Stadt Zürich ihre Forderung: Die Bührle-Stiftung soll ihre Sammlung der Stadt Zürich schenken.

Die AL verspricht sich davon einen freie Provenienzforschung und eine «ungeschönte» Darstellung der Sammlung.

Mit einer Schenkung wäre nach Ansicht der AL auch eine allfällige Rückführung von Werken an ihre früheren Besitzerinnen und Besitzer möglich. Die Partei reichte am Mittwoch im Gemeinderat ein Postulat ein, das den Stadtrat auffordert, zu prüfen, wie die Bührle-Stiftung «dazu bewegt werden kann», ihre Sammlung der Stadt zu schenken.

Dadurch könnten Stadt und Kunsthaus Zürich die «moralischen Probleme» lösen, in die sie sich verwickelt hätten. Eine Schenkung wäre ein Signal, sich vorbehaltlos mit der Geschichte der Sammlung auseinandersetzen zu wollen.

«Nichttoxische Bilder» integrieren

Die Stadt solle die Finanzen für die Überprüfung bereitstellen, fordert die AL in ihrem Vorstoss. Danach könnten «nichttoxische» Bilder in die Kunsthaus-Bestände integriert werden. Zudem würde eine Schenkung den Stiftungszweck erfüllen, nämlich die öffentliche Ausstellung der Werke sowie deren Verbleib in Zürich.

Die Partei hatte schon am 10. November zusammen mit SP und Grünen ein Postulat zur Bührle-Sammlung eingereicht. Dieses forderte, den Dokumentationsraum im Erweiterungsbau durch unabhängige Experten neu zu gestalten und von «Beschönigungen» zu befreien.

Stadt und Kanton unzufrieden

Die Debatte um die Sammlung Bührle im neuen Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich nahm seit Anfang November Fahrt auf: Nachdem ehemalige Mitglieder der Bergier-Kommission mit harscher Kritik an die Öffentlichkeit getreten waren, hatten sich auch Kanton und Stadt Zürich sowie die Sammlung Bührle selbst dazu geäussert.

Stadt und Kanton fordern gemeinsam eine unabhängige Evaluation der bisherigen Forschung. Die Stiftung Sammlung E. G. Bührle stehe einer solchen «positiv» gegenüber, teilte diese dann im November mit. Sie glaube allerdings, dass die Abklärung zur Herkunft ihrer Werke «in umfassendster Weise» gemacht worden sei.

Direktor der Bührle-Stiftung tritt zurück

Mitte November wurde dann bekannt, dass der Direktor der Bührle-Stiftung, Lukas Gloor, per Ende Jahr zurücktritt. Da die Bilder im Kunsthaus seien, sei seine Aufgabe abgeschlossen, teilte er mit. Er drohte auch damit, die Bührle-Werke aus dem Kunsthaus abzuziehen, wenn die Stadt dem Kunsthaus diktieren wolle, wie die Sammlung dem Publikum zu erklären sei. Dabei könne die Stiftung nicht mehr mitmachen.

Die Bilder der Bührle-Stiftung stehen unter dem Verdacht, auch Raubkunst aus der Zeit des Nationalsozialismus zu beinhalten. Emil Georg Bührle war durch Waffengeschäfte während und nach dem Zweiten Weltkrieg zum damals reichsten Mann der Schweiz geworden.

Im November 2020 attestierte eine Studie der Universität Zürich seinen Waffenexporten an beide Kriegsparteien und dem Aufbau seiner Kunstsammlung eine enge Verflechtung.

Keystone-SDA/Goldküste24