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Gesundheit
09.04.2022
19.05.2022 11:05 Uhr

Wer steckt hinter Carezo?

Vielen kranke Menschen sind froh, wenn sie weiter zuhause bleiben können, doch das bedingt einige Vorkehrungen. Bild: Patricia Rutz
Die Pandemie hat viele Blüten getrieben. Viele Pflegende wollten sich den Massnahmen aus verschiedenen Gründen an ihrer Arbeitsstelle nicht mehr fügen. Es entstand eine Betreuung der besonderen Art.

Im Herbst 2020 erlitt mein Ehemann einen Hirnschlag. Von da an war er mehr oder weniger pflegebedürftig, wobei die Pflege einen kleinen Teil der Betreuung ausmachte, da er sich gut fortbewegen konnte.

Schon nach dem Krankenhaus war die Frage, wie weiter? In ein Pflegeheim wollte mein Ehemann nicht und für mich wäre es auch eine denkbar schlechte Option gewesen. Auch die aktuellen Massnahmen in dieser Zeit regten an, eine andere Lösung zu finden. Schon die REHA ermöglichten wir zuhause. Doch das bedingte eine akribisch genaue Organisation aller mobilen Therapien, die es interessanterweise gibt. Ein Hirnschlagpatient braucht tägliche Physiotherapie, Ergotherapie, in diesem speziellen Fall noch Schlucktherapie, psychologische Unterstützung und sehr viel Betreuung.

Die Betreuungsfrage lösen

Die REHA ging gut über die Bühne, doch blieb mein Mann in hohem Masse pflegebedürftig. Am Anfang versuchte ich möglichst viel der Betreuung selbst zu übernehmen, ohne mir Gedanken über die Dauer zu machen. Ich nahm verschiedene Betreuungsangebote in Anspruch, die gängig im Internet zu finden sind. Es ist immer eine sehr persönliche Angelegenheit, ob es passt oder nicht. In erster Linie musste das Verhältnis des zu Betreuenden und des Betreuers passen, was nicht immer so einfach ist. Die Persönlichkeitsveränderung nach einem Hirnschlag ist in allen Bereichen spürbar.

Was brauche ich alles zuhause?

Eine Frage sind auch immer die Kosten einer privaten Betreuung zuhause. Im Herbst 2021 entschied ich mich, einen Verein zu gründen, um unseren Bedürfnissen, die sich in einem Jahr entwickelt hatten, Raum zu geben. Die Betreuung musste persönlich, individuell und über einen längeren Zeitraum bezahlbar sein.

Über verschiedene Quellen, wie Aletheia und SOS-Gesundheitsberufe kam ich zu Betreuenden, die aus der Pflege infolge der Massnahmen ausgestiegen waren. Kurzerhand stellte ich sie an und war mir noch nicht bewusst, was das alles nach sich ziehen würde. Bald schon standen Arbeitsverträge, Stundenblätter, Sozialabgaben und andere Dinge zur Erledigung an. Ausserdem hatte ich auch noch allerlei zu tun mit der Anschaffung von Hilfsgeräten wie Rollstuhl, Rollator, Stöcken usw.. Mein Arbeitspensum neben dem Beruf hatte sich glatt verdoppelt.

Daraus entstand aber auch viel Material, das künftig andere Menschen nutzen könnten, die in diese Lage kommen würden.

Betreuung – am Leben teilhaben

Der Verein sollte dazu dienen, dass auch andere hilfsbedürftige Menschen in Zukunft von einer individuellen, achtsamen Betreuung profitieren könnten. Inzwischen waren Fachleute wie diplomiertes Pflegepersonal und Ärzte auf den Verein aufmerksam geworden. Es war uns allen bewusst, dass dieses Experiment reifen musste. 

Es gab so viele Fragen die auftauchten. Eine war zum Beispiel; wie sollte ein Seniorenpaar, 80 und 85, in der Lage sein, die Betreuungspersonen einzustellen, die ganze dazugehörige Administration zu erledigen, Hilfsmittel und noch einen Teil der Pflege zu bewerkstelligen? Aus direkter Sicht, unmöglich. Es mussten also Menschen im Hintergrund sein, die in der Lage sein würden, diese Hintergrundsarbeiten zu organisieren. Dann kam schnell die Frage der Kosten hinzu? Wer sollte die Betreuung finanzieren, die nicht Pflege beinhaltete.

Die Betreuung eines pflegebedürftigen Menschen, also die Zeit, in der ein zu Betreuender keine Pflege braucht, ist die Hauptzeit. Wir hatten den Anspruch, dass wir den Menschen während des Tages immer wieder aktivieren, am täglichen Leben teil haben lassen wollten und das macht die Arbeit intensiv. Das braucht vor allem Zeit und Geduld, die in den meisten Pflegeangeboten nicht vorgesehen sind, weil sie einfach in den bestehenden Institutionen zu teuer kommen.

Aus der Krise zur Chance

Das Ziel war und ist es weiterhin, dass alle Menschen, die gerne zuhause betreut und gepflegt werden möchten, in den Genuss kommen sollten. So kam die Frage der Bezahlung. Die Pflege kann von selbständigen diplomierten Fachleuten über die Krankenkasse abgerechnet werden, auch der «mobile Arzt» rechnet darüber ab, doch wieder blieben wir an den anderen Betreuungszeiten haften. Einerseits kann man ein Crouwdfunding organisieren oder Gönner suchen. Es schien uns auch möglich, dass Menschen mit grösserem Vermögen und Einkommen mehr für die Dienstleistung bezahlen würden, wenn sie denn das Modell überzeugte.

Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Die Projektarbeit ist in vollem Gange, und es ist unglaublich schön zu sehen, dass aus einer Krise, Dinge entstehen, die Altes ergänzen und manchmal vielleicht in gewissen Fällen einfach ersetzen, wenn darum gefragt wird.

Weitere Informationen finden Sie:

Care-schweiz

Aletheia und SOS-Gesundheitsberufe.

Carezo (Care Zürcher Oberland) sucht Gönner und Spenden, damit auch Menschen mit weniger finanziellen Mitteln bei Krankheit zuhause bleiben können, wenn sie wollen.

Alternative Bank Schweiz AG, Olten
IBAN: CH35 0839 0038 8009 1000 0.

Patricia Rutz/Goldküste24