In einem neu entwickelten Verfahren ist es Empa-Forschenden gelungen, die Besiedlung von Pilzen in einheimischen Holzarten zu kontrollieren und so kunstvolle Muster, Bilder und sogar Wörter im Holz hervorzubringen.
Feine schwarze Linien ziehen sich elegant über das Ziffernblatt aus hellem, fein gemasertem Holz von Esche, Buche und Ahorn. Obwohl dieses verschlungene Muster ein Bild der Gelassenheit bietet, ist es in Wirklichkeit das Ergebnis eines heftigen Kampfes.
Die Linien markieren Grenzen, an denen verschiedene Pilzkulturen aneinandergeraten sind und sich Territorien und Ressourcen im Holz streitig gemacht hatten. Die feinen Fäden der Pilzgemeinschaft schützen nicht nur ihre Kolonie, sondern hindern auch Bakterien und Insekten daran, in ihr Reich einzudringen, indem sie ihre Gegner in die Schranken weisen. Darüber hinaus sorgt diese Verteidigungsstrategie für eine ideale Feuchtigkeit im Lebensraum, die dem Pilz das Gedeihen ermöglicht
Neue Möglichkeiten in der Kunst
Schwarzes Team identifizierte mehrere in der Natur vorkommende Pilze und analysierte diese im Labor, wobei die Pilze mit den besten Eigenschaften als Holzveredler ausgewählt wurden. Je nach Kombination der Pilzarten entstanden im Holz dunkle, durch das Pigment Melanin verursachte Linien. Melanin ist wasserabweisend, antimikrobiell und schützt den Pilz vor natürlichen Gegenspielern (z.B. Bakterien). Auch die Muster konnten je nach Pilzart gesteuert werden, was zu unterschiedlichen Ergebnissen führte; manche Linien waren zerstreut, andere nahezu geometrisch perfekt. Und zu guter Letzt konnten die Forschenden die Pilze gar Worte im Holz schreiben lassen – eine Weltpremiere.